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8 / 10 Punkte

Die Kreatur Panoptikum Cover

Artwork: tba

 

Panoptikum
  • Audio-CD – Hörbuch
  • Napalm Records (Universal Music) (Herausgeber)

Letzte Aktualisierung am 28.07.2020 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

» Die Kreaturs Album ‚Panoptikum‘ auf EMP*

Label: Napalm Records

Dauer: 67:55

Release: 22. Mai 2020

Lineup:

    • Chris Harms – Vocals
    • Dero Goi – Vocals

Panoptikum Review

Das Musikprojekt Die Kreatur wurde von niemand geringerem als Chris Harms (Lord Of The Lost) und Dero Goi (OOMPH!) erschaffen. Viele Fans haben dem ersten Album, an dem die beiden Szenegrößen zusammen gearbeitet haben, entgegengefiebert. Was bei diesem Experiment letzten Endes raus gekommen ist, erfahrt ihr jetzt.

Das erste Album des Duos trägt den kuriosen Titel „Panoptikum“ und ist ein vielfältiges, musikalisch experimentelles und trotzdem stilgetreues Album geworden. Von der bekannten und beliebten Neuen Deutschen Härte über Industrial, Gothic Rock bis hin zu streckenweise fast poppigen Sequenzen ist alles dabei. Die prägnanten Stimmen von Dero und Chris machen das Album zu einer spannenden Reise durch die dunkle Seite der Musikwelt.

Der Opener trägt den Titel „Die Kreatur“, und eröffnet das Album direkt im Neue Deutsche Härte Style. Das Interessante am Eröffnungstrack ist, dass hier die Strophen musikalisch härter klingen, als der Refrain, was ich bei dem Stück ziemlich cool finde. Der Text erzählt, wie man dem Titel entnehmen kann, von einem Geschöpf, was ein unglaublich abschreckendes Erscheinungsbild hat, und eben wie in den klassischen Freakshows von früher auf Jahrmärkten zur Unterhaltung der Menschen vorgeführt wird. Diese Geschichte lässt sich meiner Meinung nach auch wunderbar auf die Unterhaltung des heutigen Fernsehprogramms übertragen, wo in gewissen Sendungen eben auch Menschen regelrecht vorgeführt werden und zu Kreaturen gemacht werden, die der Zuschauer abstoßend finden soll.

Im zweiten Track „Kälter als der Tod“ wird eine düstere, fast schon romantische Atmosphäre geschaffen, die mit einem metaphorischen Text über Gelüste und Verlangen bestärkt wird. Sicher eines der bekanntesten, aber meiner Ansicht nach nicht eines der besten Stücke des Albums.

Die Tracks „Unzertrennlich“ und „Zwei 100%“ können guten Gewissens in die Musikrichtung Elektrorock eingeordnet werden. Wobei „Unzertrennlich“ in dieser Gegenüberstellung noch das etwas melodischere Stück ist, was besonders im Refrain zum Ausdruck kommt. „Zwei 100%“ ist im Großen und Ganzen eine Aneinanderreihung von Eigenschaften, die eindringlich und schlagend von Elektrobeats unterstützt werden. Ich würde dieses Lied in Kurzfassung als eine Hymne an sich selbst, bzw. an das Projekt „die Kreatur“ bezeichnen.

Der Song „Mensch-Maschine“ ist passend zum Titel im Industrial Style gehalten. Der Text beschäftigt sich mit der Entmenschlichung durch ständiges Funktionieren und Pflichten erfüllen. Nach wie vor ein zeitgemäßes Thema, was in Mensch / Maschine spannend und finster aufgemacht ist.

Und dann gibt es noch ein Stück auf der Scheibe, was total aus dem Rahmen fällt. „Schlafes Braut“ klingt musikalisch wie ein altes, düsteres Seemannslied, was eine schwere Atmosphäre erzeugt und die Depression einer jungen Frau besingt. Natürlich ist auch dieses Thema metaphorisch korrekt und kreativ ausformuliert.

Ein unglaublich energiegeladener Neue Deutsche Härte Song, der es wirklich in sich hat, ist „Untergang“. Genau so unheilvoll wie der Titel sich schon zeigt, geht es im gesamten Text zu. Er beschreibt das drohende Ende einer Beziehung zwischen zwei Menschen, in der einer der Partner krampfhaft versucht das Beziehungsende abzuwenden. Hier kann viel hinein interpretiert werden. Einige Passagen in „Untergang“ könnten auch Andeutungen sein, dass der eine Partner ein Kontrollfreak ist, der die andere Person komplett für sich vereinnahmen will. Das ist aber nur eine Idee am Rande.

„Was mir am Wichtigsten ist“ ist der Beitrag des Albums zum Thema Selbstverletzung, bzw. Drogenkonsum, sich betäuben und Emotionen nicht zulassen.

Ein eingängiger und prägnanter Song mit Popelementen ist „Benutz mich“. Die Strophen sind melodisch und poppig gehalten, im Refrain wird´s dann richtig rockig. Wie man aus dem Titel entnehmen kann, ist „benutz mich“ ein Song über eine Person, die scheinbar einer anderen Person aus freiem Entschluss hörig ist und deren Selbstwert gleich Null ist. Das Interessante an dem Song, ist dass er mit tragischen Tönen, fast wie in einer traurigen Filmszene, ausklingt.

Der Song des Albums, der am ehesten zum Feiern und Mitsingen einlädt, ist „Gott verdammt“. Dieses düstere, rockige Stück hat viel Rhythmus, überrascht mit einem Kirchenchor im Hintergrund (coole Mischung) und sagt textlich, kurz zusammengefasst, aus: Kümmere dich um dich selbst, Gott übernimmt das nicht für dich.

Nun aber endlich zum Fazit, nachdem ich fast alle Songs angesprochen habe: Panoptikum macht seinem Namen alle Ehre. Die gesamte CD ist in der Tat Kuriositätenkabinett, was musikalisch unglaublich vielseitig und experimentell ausgefallen ist und textlich so viel Interpretationsspielraum lässt, dass ich damit ein ganzes Buch füllen könnte. Was ich extrem cool finde, ist dass die beiden Protagonisten es geschafft haben hier und da Melodien von Lord Of The Lost und OOMPH! einfließen zu lassen, aber dennoch mit dem Album ein neues, bis her nicht da gewesenes Projekt zustande gebracht haben. Panoptikum ist meine wärmste Empfehlung für alle, die auf düsterrockige Musik abfahren!

Panoptikum
  • Audio-CD – Hörbuch
  • Napalm Records (Universal Music) (Herausgeber)

Letzte Aktualisierung am 28.07.2020 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

» Die Kreaturs Album ‚Panoptikum‘ auf EMP*

Panoptikum Tracklist

  1. Die Kreatur
  2. Kälter als der Tod
  3. Unzertrennlich
  4. Durch die Nacht
  5. Zwei 100%
  6. Schlafes Braut
  7. Untergang
  8. Mensch/Maschine
  9. Was mir am Wichtigsten ist
  10. Benutz mich
  11. Glück auf!
  12. Gott verdammt
  13. Goldener Reiter (Bonus Track)
  14. Die Kreatur (Faderhead Remix) (Bonus Track)
  15. Kälter als der Tod (Solar Fake Remix) (Bonus Track)