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Feuerschwanz Das elfte Gebot Review
Artwork by Peter Sallai
 

Letzte Aktualisierung am 9.06.2020 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

» Feuerschwanz‘ Album „Das elfte Gebot“ auf EMP*

Dauer: 1 Std. 10 Min.

Genre: Mittelalter Rock / Mittelalter Metal

Release: 26.06.2020

Label: Napalm Records

Das elfte Gebot Tracklist

  1. Meister der Minne
  2. Metfest
  3. Das elfte Gebot
  4. Kampfzwerg
  5. Im Bauch des Wals
  6. Mission Eskalation
  7. Schildmaid
  8. Malleus Maleficarum
  9. Lords of Powermet
  10. Totentanz
  11. Unter dem Drachenbanner
  12. Ding (feat Melissa Bonny)
  13. Hier kommt Alex
  14. Amen & Attack
  15. I See Fire
  16. Gott mit uns
  17. Limit
  18. Engel

Das elfte Gebot Review

Das elfte Gebot überbietet aktuell alles, was Feuerschwanz bis dato auf den Markt gebracht hat. Es ist ein durch und durch gelungenes Mittelalter-Metal Album, was sich nicht nur durch seine deutlich härteren Klänge von den Vorläufern abhebt, sondern sich auch lyrisch teilweise in ganz anderen Feldern bewegt, als man es von Feuerschwanz gewohnt ist.

Die musikalische und textliche Weiterentwicklung ist so weitreichend, dass sie sich kaum in einem Review, was das gesamte Album in Kurzform zusammenfasst, beschreiben lässt. Darum nehmen wir das elfte Gebot sehr ausführlich unter die Lupe und unternehmen eine Reise von Song zu Song durch das Album.

Der Opener „Meister der Minne“ ist zum Eröffnen des Albums unter allen neuen Tracks der perfekte Titel, der sofort klar stellt, was den Hörer auf dem Album erwartet: Nämlich eine geballte Ladung Power!

Der zweite Track „Metfest“ dürfte vielen Fans schon vor der Veröffentlichung des Albums bekannt gewesen sein. Hier ist lyrisch der einzigartige Feuerschwanz Charme sehr ausgeprägt. Textlich geht es bei „Metfest“ einfach darum fleißig zu feiern, Spaß zu haben und eine unvergessliche Zeit miteinander zu verbringen. Musikalisch bewegt sich „Metfest“ durch viele verschiedene Geschwindigkeitsstufen und ist mit sauber wechselnden Gitarrenriffs ausgestattet.

Der Titeltrack „das elfte Gebot“ ist ein wahnsinnig kraftvoller Song, der anfangs sogar leichte symphonische Elemente beinhaltet. Textlich lässt sich „das elfte Gebot“ als ein Aufruf verstehen, der dazu auffordert sein Leben zu genießen und seine Zeit zu feiern.

In dem darauf folgenden Song „Kampfzwerg“ regieren harte Gitarrenriffs, die tatsächlich eine zum Titel passende Atmosphäre erzeugen, die sich hervorragend für eine Filmszene eignen würde, in der sich kleine, kampfbereite Zwerge nach einem Besuch im Wirtshaus für ihren Kampf wappnen. Der generelle musikalische Style geht in Richtung Pagan – Metal und passt wie die Faust aufs Auge zum Text. Außerdem beinhaltet „Kampfzwerg“ ein richtig geiles Gitarrensolo – achtet drauf!

Vom aufmüpfigen, trinkenden Kampfzwerg, der sich lyrisch in der fantastischen Gegend bewegt und durchaus ein Song ist, über den man gut schmunzeln kann, kommen Feuerschwanz über „Im Bauch des Wals“ zu einem ernsteren Thema, was zu allererst für die alt eingesessenen Fans der Spaß – Mittelalter Rocker eher ungewohnt sein dürfte. „Im Bauch des Wals“ ist die Ballade des Albums, genauer gesagt die Rockballade auf das elfte Gebot. Mit sauber drapierten Geschwindigkeitswechsel und einem Text, der durchaus zum Nachdenken anregt, leisten Feuerschwanz mit diesem Lied ihren Beitrag zum Thema Umwelt und Naturschutz.

Danach geht es mit „Mission Eskalation“ wieder deutlich rockiger und unbeschwerter weiter. Was dieses Stück sehr besonders macht, ist der Fokus auf der fix gespielten Geige, die den Song einleitet. Musikalisch ist „Mission Eskalation“ rockig / altertümlich gemixt und gewährt der Geige auffällige Parts. Der Text ruft dazu auf, die alten, nach 2000 Jahren Religion, bestehenden Strukturen zu durchbrechen und einfach mal zu eskalieren.  

„Schildmaid“ ist ein sehr vielfältiger Song mit schnellen und ruhigen Parts und einer besonders kraftvollen Gesangseinlage im Refrain. Thematisch hebelt „Schildmaid“ sämtliche veraltete Klischees über die Damenwelt aus und richtet sich an alle Kriegerinnen, die eben nicht dem altertümlichen Frauenbild entsprechen.

Die Antwort auf „Schildmaid“ gibt es Folgetrack „Malleus Maleficarum“… zu Deutsch der Hexenhammer. „Malleus Maleficarum“ ist textlich gesehen das genaue Gegenteil von „Schildmaid“ und betextet Heinrich Kramer, der seine Ansichten zur Legitimation der Hexenverfolgung in einem Buch (Hexenhammer) offen kund getan hat. Die Unterdrückung der Frauen war zu seiner Zeit nicht ungewöhnlich und Feuerschwanz haben es geschafft ein so hartes Brot in einem melodischen Song, mit einem sehr kraftvollem Refrain zu verarbeiten, der sich trotz der Schwere des Themas sehr gut hören lässt.

Auf diese schwere Thematik folgen noch drei Songs, die deutlich unbeschwerter sind und musikalisch wieder richtig fetzen. „Lords of the Powermet“ ist getreu dem Titel, ein Song der nur so strotzt vor Energie. „Totentanz“ hat (zumindest in meinen Ohren) die härtesten Gitarrenriffs des Albums und teilweise etwas skurrile Sequenzen, die den Song super interessant machen. Der letzte Track des Albums (ohne Bonusmaterial) trägt den epischen Titel  „Unter dem Drachenbanner“ und ist ein solider, rockiger Track, der sich lyrisch mit Zusammenhalt befasst und Vereinigung zum Ausdruck bringt.

Außerdem befinden sich auf dem Album noch sieben Coversongs als Bonusmaterial. Auch wenn die Coversongs aus total anderen Musikrichtungen stammen, haben Feuerschwanz es geschafft jedem einzelnen der Lieder in ihre ganz eigene Note zu verleihen. Ob es gefällt oder nicht, ist natürlich Geschmackssache, aber interessant ist in jedem Fall. Bei so einer Vielfältigkeit, sowie so vielen Überraschungen und Melodien, die sofort im Ohr hängen bleiben, bleibt mir am Ende nur noch zu sagen: Das Album ist der Kracher! Feuerschwanz haben sich selbst übertroffen, sich in deutlich härtere Territorien vorgewagt und alle Texte, sowie musikalische Einfälle sauber und mitreißend umgesetzt. Das Album bleibt auch bei mehrmaligem hören immer noch phänomenal. Vielen Dank an Feuerschwanz für diese sagenhafte Bereicherung in der Musikwelt!

Letzte Aktualisierung am 9.06.2020 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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